← zurück zu den Notizen 22. Februar 2026
Notiz · 4 min

Späte Schwimmer, gegen das Jahr

— Kleiner See, Brandenburg —

Der Pollenfilm auf dem Wasser ist im Spätsommer gelblicher als im Frühjahr, fast wie altes Papier. Wenn ich mit der Hand durch ihn fahre, schließt er sich sofort hinter mir, als wäre ich nie da gewesen. Vom Steg aus sehe ich zwei Köpfe weiter draußen, langsam, im gleichen Tempo, wie zwei Bojen, die einander nicht aus den Augen lassen.

Es ist warm noch, aber die Wärme hat etwas Geliehenes. Sie kommt aus den Steinen, aus dem Holz, aus der Luft, die der Wald abgibt. Aus der Sonne kommt sie nicht mehr richtig. Wer jetzt noch schwimmt, schwimmt nicht aus Hitze, sondern aus einer anderen Notwendigkeit, die schwerer zu benennen ist.

Was im August schon Herbst ist

Im Schilf ein Klappern, ein Vogel vielleicht, eher der Wind. Die Libellen sind weniger geworden, aber präziser. Sie hängen über dem Wasser, als hätten sie Aufgaben. An der gegenüberliegenden Seite steht das Bootshaus, dessen Fenster ich in keinem Sommer je offen gesehen habe. Ein älterer Mann sitzt auf dem morschen Steg davor und tut nichts, mit einer Aufrichtigkeit, die ich beneide.

Die beiden Schwimmer sind jetzt näher. Eine Frau, ein Mann, vielleicht zusammen, vielleicht zufällig im selben Wasser. Sie reden nicht. Wenn man so spät noch hineingeht, redet man nicht im Wasser, das ist eine ungeschriebene Regel. Man hört dem See zu, der jetzt schon andere Geräusche macht als im Juli, leisere, hohlere, mit längeren Pausen dazwischen.

Ich denke an Sommer, von denen ich nicht mehr genau weiß, ob sie wirklich so waren, wie ich sie behalten habe. An ein anderes Ufer, an ein Handtuch, das jemand mir hingelegt hat, an die Art, wie das Wasser kalt wird, sobald man stehenbleibt. Erinnerung ist ein See, der nie ganz austrocknet, aber Jahr für Jahr ein anderes Ufer hat.

Die Schwimmer steigen aus, an der flachen Stelle, dort wo das Schilf endet. Ihre Schultern dampfen leicht in der Abendluft. Sie gehen auseinander, jeder zu seinem Handtuch, jeder in seine eigene Richtung. Vielleicht waren sie wirklich nicht zusammen. Vielleicht waren sie es nur eine Stunde lang, im Wasser, in dem das nicht so wichtig war.

Der Pollenfilm schließt sich. Das Jahr macht weiter, ohne uns zu fragen.