Innenhof, einer fremden Sprache
Ich bin durch ein offenes Tor gegangen, ohne es zu wollen. Die Hauptstraße war laut, der Hof war es nicht. Manchmal genügt ein Schritt zur Seite, und eine Stadt zeigt eine andere Seite ihres Gesichts, die nicht für Besucher gedacht ist.
Vier Stockwerke umschließen ein Viereck aus Kopfstein, in der Mitte ein Baum, dessen Art ich nicht kenne. Wäsche hängt auf mehreren Etagen, in einem Rhythmus, der nichts mit mir zu tun hat. Hemden, Kinderhosen, ein einzelnes Geschirrtuch, das im Wind hin und her schlägt wie ein müder Applaus. Aus einer der Küchen unten kommt das Geräusch eines Messers auf einem Brett, regelmäßig, geduldig.
Was anderswo immer schon weitergeht
Eine Katze sitzt auf der Schwelle einer Hintertür, mit halb geschlossenen Augen. Sie sieht mich an, ohne ihre Haltung zu verändern. Ich gehöre nicht hierher, das weiß sie sofort, aber es ist ihr nicht wichtig genug, um darauf zu reagieren. Das gefällt mir, diese Gleichgültigkeit ohne Feindseligkeit, wie man sie in Gegenden findet, in denen die Menschen sich seit Generationen aneinander gewöhnt haben.
Im zweiten Stock öffnet jemand ein Fenster, ein älterer Mann im Unterhemd. Er sieht in den Hof hinunter, nicht zu mir, sondern allgemein nach unten, wie man auf die eigene Bilanz schaut. Dann zündet er sich eine Zigarette an und bleibt am Fenster stehen. Ich höre ihn nicht atmen, aber ich sehe den Rauch in den schmalen Streifen Sonne treten, der schräg in den Hof fällt.
Es spricht ein Radio irgendwo, in einer Sprache, von der ich gerade nur Vokale verstehe. Eine Frau lacht im Hintergrund, kurz, nicht über das Radio, eher trotz. Aus einem anderen Fenster Geschirrklirren. Aus einem dritten nichts, aber dieses Nichts hat eine Person, das spürt man.
Ich stehe da, vielleicht zwei Minuten, vielleicht zehn. Ich werde es nie wissen, weil die Zeit in fremden Höfen anders läuft, langsamer und voller. Es ist nicht mein Leben, das hier stattfindet, aber es ist eines, das ich verstehe. Vielleicht hätte ich es haben können. Vielleicht habe ich es einmal gehabt, in einer Stadt, deren Namen ich vergessen habe.
Bevor ich gehe, sieht der Mann am Fenster doch noch zu mir hinunter. Er nickt. Ich nicke zurück. Wir wissen beide nicht, was das bedeutet, und das ist in Ordnung.