Diagonale, drei Uhr morgens
Die Leuchtschrift über dem Eingang flackert in einem Rhythmus, den ich nach einer Weile zu hassen anfange. Drinnen das übliche Sortiment: Kaffeeautomaten, Reisekissen in Folie, Schokolade in Größen, die niemand zu Hause kaufen würde. Hinter der Theke eine Frau mit übermüdetem Gesicht, die mein Geld nimmt, ohne mich anzusehen, und trotzdem freundlich bleibt. Das ist eine Kunst, die man hier lernt.
Ich trage den Becher nach draußen, weil drinnen das Licht zu hart ist für diese Stunde. Auf dem Parkplatz die LKWs in Reihen, wie schlafende Tiere, ihre Motoren leise im Stand. Aus einer der Kabinen flimmert ein Fernseher, blaues, wechselndes Licht hinter den Vorhängen. Der Fahrer ist nicht zu sehen, aber er ist wach. Auch jemand, der wach ist um diese Zeit.
Was zwischen zwei Orten ist
Die Autobahn schneidet das Land in einer langen, hellen Diagonale. Sie ist von hier aus nicht zu sehen, aber zu hören, ein konstantes Rauschen, in dem gelegentlich ein höherer Ton vorbeizieht, ein Auto, das schneller fährt, als es dürfte. Dahinter, irgendwo, Felder, von denen ich nichts weiß, Dörfer, in denen jetzt niemand mehr Licht hat. Die Welt schläft, aber das Band, das die schlafende Welt durchschneidet, ist wach.
Es gibt diese Stunde zwischen drei und vier, in der die Müdigkeit nicht mehr nur Müdigkeit ist, sondern eine Art Klarheit. Man sieht die Dinge dann genauer, weil das, was sie normalerweise abdeckt, kurz weg ist. Ich sehe den Kaffeebecher, den Lichtkegel der einen Laterne, die Risse im Asphalt, die wie Flüsse aussehen, wenn man lange genug hinsieht. Ich sehe meinen eigenen Atem, weil es kälter geworden ist, als ich gedacht hatte.
Zwei Frauen kommen aus dem Tankstellenshop, eine ältere, eine jüngere, vielleicht Mutter und Tochter. Sie tragen jede eine Tüte, sprechen leise. Bevor sie ins Auto steigen, bleibt die jüngere kurz stehen und sieht in den Himmel, der hier draußen, weg von der Stadt, wieder Sterne hat. Die ältere wartet, ohne ungeduldig zu werden. Es ist ein gutes Bild, und ich nehme es mit.
Mein Kaffee ist kalt geworden, ich trinke ihn trotzdem aus. Im Auto schalte ich das Radio nicht an. Manchmal will man die Stille einer Autobahn länger behalten als die Lieder, die einem an Raststätten zwischen drei und vier Uhr nicht mehr helfen können.
Ich fahre weiter. Die Diagonale geht weiter. Der Morgen ist noch zwei Tankstellen entfernt.